Paläste und Gässchen: Wo die Humpis Handel trieben

Stadtarchivar Dr. Andreas Schmauder führt durch die ligurische Handelsmetropole

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Chiavenna
Reisegruppe unterwegs
Hafen mit Caravelle
Kein anderes Volk, keine andere Nation als die Genuesen besitzt Schiffe von solcher Größe, die wie Burgen auf dem Meer schwimmen
Anselm Adorno, 1470

Aufregend, spannend, lehrreich, unterhaltsam, einzigartig – die Leserreise der Schwäbischen Zeitung nach Genua nur als „gelungen“ zu bezeichnen, würde einfach nicht ausreichen. Vier Tage lang haben 33 Geschichtsinteressierte aus Ravensburg die Stätten aufgesucht, an denen die Große Ravensburger Handelsgesellschaft in Genua wirkte. Im späten Mittelalter trieben die Humpis dort etwa hundert Jahre lang intensiven Handel mit Stoffen und Gewürzen, bis sich die Handelsgesellschaft 1530 auflöste: Durch Hochzeiten mit Adligen waren die Humpis nicht mehr darauf angewiesen, Handel zu treiben.

Der Weg ist das Ziel: Dass der Handel im Mittelalter ein beschwerliches und mitunter gefährliches Unternehmen war, merkten die Leser gleich auf dem Weg. Der führte nicht nur über Autobahnen, sondern auch über historische Alpenpässe. In Bivio, einem 200-Seelen-Nest in Graubünden, mussten sich die Humpis entscheiden, ob sie den Julier- oder Septimerpass nehmen wollten. Ein von oberschwäbischen Händlern gestifteter, prachtvoller Hochaltar in der kleinen Kapelle kündet von den Ängsten, die mit Stiftungen als eine Art Bestechung des Schicksals erreicht werden sollten: Schutz vor Krankheiten, vor allem Pest, und anderem Ungemach auf dem Weg. Steinschläge und Lawinen waren laut Dr. Schmauder die Hauptgefahren für die kleinen Reisegruppen, zu denen neben Säumern (den Spediteuren des Mittelalters) auch immer ein Vertreter der Humpis gehörte, der den Transport überwachte.                                  

Überfälle von Räubern kamen so gut wie nie vor, denn der mächtige Bischof von Chur schützte die Händler auf allen Alpenpässen, die ihm unterstanden – freilich gegen eine beachtliche Gebühr. Dafür gewährte er Sicherheit, ebenso wie die Herzoge von Mailand auf der Weiterreise nach Genua (Italien war im Mittelalter ein Konglomerat von vielen kleinen Stadtrepubliken und Herzogtümern). Über das Engadin, den kurvenreichen Malojapass, Chiavenna und Mailand erreichen die Leser am ersten Abend Genua. Die Humpis brauchten damals 14 bis 18 Tage.

Leben wie Gott in Genua: Das Grand Hotel Savoy, das Renate Richter vom Tui Reise-Center in Ravensburg ausgesucht hat, ist das beste am Platz, das einzige Fünf-Sterne-Hotel in der Stadt. Nobel, elegant, prachtvoll. 1897 erbaut, atmet es Geschichte. Auch sonst lässt das Drumherum zur Studienfahrt keine Wünsche offen. Man isst in Restaurants, die ligurische Küche bieten, dazu hervorragenden Wein.

Wo die Humpis wirkten: Die Zeitreise beginnt am Freitag. Schmauder führt die Mitreisenden zunächst zur Commenda di Prè, einer großen Unterkunft für Kreuzfahrer, die auf ihr Schiff ins Heilige Land gewartet haben. Auch Richard Löwenherz soll hier übernachtet haben. Ein Rundgang am Hafen macht die Dimensionen deutlich, die Bedeutung, die der Schiffshandel der Stadt verlieh. Schmauder lässt die Vergangenheit aufleben, die vielen Sklavengaleeren, die nicht besonders tief waren und direkt ans Ufer fahren konnten, die großen Karavellen und Karacken, die weiter zum Meer hin vor Anker gingen. Leider ist die große hölzerne Karacke, die im Hafen liegt, nur ein Nachbau für den Roman-Polanski-Film „Piraten“ – trotzdem nett anzusehen.

30 adlige Familien wie die Doria und die Grimaldi teilten sich in der Stadtrepublik Genua die Macht. Der Doge, mitunter auch ein Bürgerlicher, war eher Marionette als Herrscher. Diese untereinander zerstrittenen Clans haben 1407 einen Schlussstrich gezogen und gemeinsam eine Art Bank, Börse und Handelszentrale in einem gegründet: In der Casa di San Giorgio haben auch die Humpis ihr Geld hinterlegt. Selbst spanische Könige und Kaiser Karl hatten hier ein Bankkonto. Wie hoch die Einlagen der Humpis waren, weiß man leider nicht mehr. Dafür zeigte Schmauder den Ravensburgern, wo einst das Kontor, also die Handelsvertretung, der Kaufleute war: Heute steht an der Stelle ein nicht besonders repräsentatives Haus mit hässlichen Graffiti. Wie gastfreundlich die Italiener sind, erfahren die Ravensburger am Nachmittag im Kloster Santa Maria di Castello, wo der Ravensburger Künstler Jos Ammann ein Fresko geschaffen hat, das Mariä Verkündigung zeigt.

Eine neue Zeit bricht an: Die Renaissance steht im Mittelpunkt des dritten Tages. Die adligen Familien ließen ein komplettes Armenviertel abreißen und errichteten sich prächtige Paläste, die Grundstücke alle exakt gleich groß, bis auf das der Familie Doria Tursi, der wichtigsten Familie. Eindrucksvoll ist aber auch der Palazzo Bianco, der großartige Kunstwerke berherbergt, unter anderem von Caravaggio und Rubens. Die Humpis waren zu der Zeit nicht mehr in Genua, im Jahr 1530 stellten sie den Handel ein. Da sie mittlerweile zum Landadel aufgestiegen waren – durch die geschickte Verheiratung ihrer Kinder mit verarmten Adligen – hatten sie den Handel nicht mehr nötig.

Flucht vor der Pest: Vor der Heimreise besichtigten die Reisenden noch Noli, ein romantisches Seebad am Mittelmeer, im Mittelalter der Ausweichhafen der Humpis bei Pestwellen. Nach einem Bummel durch die Caruggi, die engen mittelalterlichen Gässchen, geht es nach Hause. Die Teilnehmer: restlos begeistert. Und sie sind sicher, dass das nicht ihre letzte Reise auf den Spuren der Humpis war.

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Dienstag bis Sonntag11 - 18 Uhr
Donnerstag11 - 20 Uhr

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von 5.12. - 7.12. und
von 12.12. - 14.12 geschlossen

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Ermäßigt3 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen
4 € 

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