Hexenwahn 1484: Frauen auf dem Scheiterhaufen

5. Mai bis 3. Oktober

Ende des 15. Jahrhunderts war der Bodenseeraum eines der Zentren von Hexenwahn und Hexenverfolgung in Europa. Mindestens 48 Frauen wurden als Hexen bei lebendigem Leib verbrannt. Dies war die erste große systematische Verfolgung von Frauen als Hexen im christlichen Abendland. Der Stadt Ravensburg kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu: Der päpstliche Inquisitor Heinrich Institoris führte persönlich die Hexenprozesse in der Reichsstadt durch.

1484 trat Institoris vor die Bürger von Ravensburg und forderte sie auf, ihm Frauen zu nennen, die sich der Hexerei verdächtig gemacht haben. Sechs Frauen wurden festgenommen und unter Folter befragt. Ihnen wurde vorgeworfen Hagelunwetter und Überschwemmungen zusammen mit Teufeln und Dämonen herbeigezaubert zu haben. Nach tagelangen Qualen gestanden Agnes Bader und Anna Mindelheimer mit dem Teufel im Bunde zu sein. Das Stadtgericht Ravensburg verurteilte sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Nach demselben Verfahren wurden auch die anderen 46 Frauen im Bodenseeraum inhaftiert, gefoltert und verbrannt.

Die Erfahrungen aus seiner Ravensburger Verfolgungspraxis hat Institoris in den berühmt-berüchtigten Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum) aufgenommen, dem von ihm verfassten Handbuch für "Hexenjäger". Das 1486 erschienene Werk hatte verheerende Wirkung für die weitere Verfolgung in Europa, die bis ins 18. Jahrhundert 40.000 bis 60.000 Todesopfer forderte. Der Hexenhammer gehört zu den frauenfeindlichsten und verhängnisvollsten Büchern der Weltliteratur.

Die Ausstellung setzt sich mit der spätmittelalterlichen Vorstellung von Magie und dem Hexenbegriff der Zeit auseinander. Sie konfrontiert die Besucher anhand der Ravensburger Verfolgung mit einem Inquisitionsprozess und beleuchtet die Täter, ihre Psyche und Motive. Doch gibt sie auch den Opfern ein Gesicht und zeigt die Folgen für die Menschen auf, damals wie heute. Denn die Thematik ist nach wie vor aktuell: Noch immer werden in Afrika und Südamerika Frauen und Kinder als Hexen verfolgt und hingerichtet.

Gemeinsam mit der Sonderausstellung wird die vierte und letzte Kabinettausstellung "Hexenwahn 1484: Frühe Hexenverfolgung in Ravensburg" eröffnet. Durch die beiden Opfer Anna Mindelheimer und Els Frauendienst erfahren die Besucher vom Ravensburger Hexenprozess. Die Kabinettausstellung wird ermöglicht durch den Lotto Museumspreis Baden-Württemberg und Fördermittel der BW-Bank, dem Landgericht und Amtsgericht Ravensburg, der Familie Dr. Gröber und vielen privaten Förderern.

Kurator: Prof. Dr. Andreas Schmauder

FÜHRUNGEN ZUR SONDERAUSSTELLUNG

Führung
1. Donnerstag im Monat | 18 Uhr
1. & 3. Sonntag im Monat | 11 Uhr

4 Euro | 2,50 Euro ermäßigt (zzgl. Eintritt)

Kuratorenführung
Prof. Dr. Andreas Schmauder
mit anschließendem Gespräch
18. Mai, 22. Juni, 6. Juli, 17. August, 28. September | 19 Uhr (nur mit Anmeldung)

4 Euro | 2,50 Euro ermäßigt (zzgl. Eintritt)

Gruppenführungen
nach Voranmeldung
80 Euro (zzgl. ermäßigtem Gruppeneintritt)

Schulklassenführung
nach Voranmeldung
60 Euro (Eintritt frei bis 18 Jahre)

Sonderausstellungen

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Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag11 - 18 Uhr
Donnerstag11 - 20 Uhr

Karfreitag, 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

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Eintritt

Erwachsene5 € 
Ermäßigt3 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen
4 € 

Im Eintritt enthalten sind auch die Sonderausstellungen

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