Geschichte Humpis-Quartier

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Flur der Pension Hindelang
Frühstücksraum in der Bohlenstube
Marktstraße um 1890

Im Laufe der Zeit haben Hunderte von Menschen im Humpis-Quartier gelebt und gearbeitet, wurden hier geboren und verstarben hier. Die Geschichte beginnt mit "Haus Nummer 1". So nannten die Archäologen die Überreste, die sie 2003 im Innenhof fanden: Ein Fachwerkhaus mit einem Sockel aus Stein, das älteste Ravensburger Haus, das bekannt ist. Als dieses Haus um das Jahr 1050 gebaut wird, gehört es zu einer kleinen Siedlung im Schatten der Ravensburg. Dort residiert das mächtige Adelsgeschlecht der Welfen. Die Burg zieht Händler und Handwerker an. Unter ihnen ist auch ein Lederhandwerker. Im Erdgeschoss von "Haus Nummer 1" ist seine Werkstatt, das zeigten Lederabfälle am Fundort auf, die tief im Lehmboden eingetreten waren.

Vierhundert Jahre später, 1479, ist aus dem Marktflecken eine blühende Reichsstadt geworden. Reichtum hat Einzug gehalten. Die Ravensburger Handelsgesellschaft macht in ganz Europa gute Geschäfte. Die Patrizierfamilie Humpis gibt dem Quartier ein neues, ihr heutiges, Gesicht. Hans Humpis, Regierer der Handelsgesellschaft und sechsmaliger Bürgermeister wohnt in der Marktstraße 45 und in zwei Gebäuden dahinter. Der Erker im ersten Stock trägt sein Familienwappen. Im kostbar dekorierten Erkerzimmer wohnt, speist, empfängt und arbeitet der Hausherr. Seine Verwandten, die von Neidegg, leben in der Marktstraße 47 und belegen drei rückwärtige Gebäude.                                         

300 Jahre danach, wir schreiben 1789, das Jahr der französischen Revolution. Äußerlich haben sich die Häuser wenig verändert, doch die Pracht ist verschwunden. Ein Bruderzwist zerrüttet das Anwesen. Der reiche Weißgerber Johannes Wucherer hat das bessere Los gezogen als sein Bruder, der arme Rotgerber Melchior. Häuser, Stuben und Keller wurden mit Zwischenwänden geteilt, um die Streithähne auseinander zu halten. Der Gestank von gegerbten Fellen hängt über den Gassen, zum Ärger der Nachbarn. Johannes trocknet seine Felle im Dachstuhl, Melchior arbeitet im Hinterhaus. Die beiden bleiben unversöhnlich bis in den Tod. Der Existenzkampf ist hart in der politisch und wirtschaftlich stagnierenden Stadt.

1842 bahnt sich ein Umbruch an. Gottfried Rösch übernimmt die väterliche Weinschenke an der Marktstraße 47 und legt sich ins Zeug. Bald hallt das alte Gemäuer vom Baulärm wieder. Rösch schafft den extravaganten "Grünen Saal" im ersten Stock als Speiselokal. Im Erdgeschoss wird jetzt Bier gezapft, geliefert von der Hausbrauerei gleich um die Ecke, die Keller werden erweitert. Der Gastwirt verschuldet sich hoch, doch das Lokal wird Stadtgespräch. An manchen Tagen herrscht Trubel rund um die Uhr. Die Ravensburger feiern Hochzeit und tanzen im "Grünen Saal", treffen sich im Turnverein, bilden einen literarischen Zirkel. Und im Erdgeschoss brummt der Ausschank, besonders an Samstagen, wenn Wochenmarkt ist.

Die Industrialisierung kommt und das Kaiserreich. In der zweiten Jahrhunderthälfte beginnt Ravensburger wieder zu wachsen. Die Gaststube geht vom Vater zum Sohn Rösch, von ihm zu seinem Schwiegersohn, von dem zu dessen Sohn über. 150 Jahre prägen die "Humpis-Stuben" die Ecke Markt- und Humpisstraße. Die sieben Häuser erleben zwei Weltkriege, die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die Besatzung, die Nachkriegszeit. Die Gaststätte wird erweitert, zeitweise dient der jetzige Einführungsraum als Bar, im Obergeschoss des Hauses Marktstraße 45 ist jahrzehntelang eine Fremdenpension – das Zimmer für 8 Mark, bis in die achtziger Jahre.

1992 schließt Heiner König, der letzte Humpis-Wirt, sein Lokal. Nach und nach leeren sich die sieben Häuser. Doch dann nimmt die Idee eines Museums Gestalt an, neues Interesse erwacht. Die Museumsgesellschaft erwirbt ein Eckhaus und eröffnet es 2003. Heute ist die Museumspädagogik hier untergebracht. Anfang 2005 fällt der Startschuss für das neue Museum Humpis-Quartier, im Sommer 2009 wird es geöffnet. Der Innenhof, wo einst Felle gewaschen wurden, ist nun überdacht, dient als Foyer und Museumscafé. Im Hinterhaus, wo die Magd von Hans Humpis ihre Schlafkammer hatte, finden Wechselausstellungen statt. Die Bierbrauerei, längst wieder ausgeräumt, wird Teil der Kabinette, die das Museum um regionale Themen erweitern.


Durch die Ausstellungsreihe "Humpis in Europa" erlangt das Museum Humpis-Quartier überregionale Aufmerksamkeit. Bereits 2013 waren über 250.000 Besucher im Museum. Im selben Jahr wurde das Museum Humpis-Quartier zum vorbildlichen Heimatmuseum ausgezeichnet. 2015 gewann es den ersten Lotto Museumspreis Baden-Württemberg. Mit dem Preisgeld und zahlreichen Förderungen kann 2017 das letzte Kabinett zum frühen Hexenwahn in Ravensburg eingerichtet werden. Mit dem letzten Kabinett wird das Museum Humpis-Quartier vervollständigt.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag11 - 18 Uhr
Donnerstag11 - 20 Uhr

Karfreitag, 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

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Eintritt

Erwachsene5 € 
Ermäßigt3 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen
4 € 

Im Eintritt enthalten sind auch die Sonderausstellungen

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Museumsfilm